Erläuterung „neuromotorisches Aufrichtungsdefizit:

Die ersten 12 bis 18 Lebensmonate, in denen das Kind den neuromotorischen Aufrichtungsprozess durchläuft sind von großer Wichtigkeit. Hier wird der Grundstein gelegt für die spätere kognitive Leistungsfähigkeit.Kommt es in dieser frühen Phase zu Reifungsdefiziten, so wird das Kind zu einem späteren Zeitpunkt auf kein „stabiles Fundament“ zurückgreifen können. Es muss sich immer wieder neu orientieren. Man spricht dann davon, dass die sensomotorische Verarbeitung nicht integriert erscheint. Dies kann individuell zu ganz unterschiedlichen körperlichen und Lern- und Verhaltensauffälligkeiten führen. So ist auf körperlicher Seite z. B. zu beobachten, dass die Kinder im Alltag oftmals krumme und unruhige Sitzpositionen einnehmen und ein unrundes Gangbild mit innenrotierten Beinen beobachtbar ist. Knick – Senk – Füße, eingeschränkte Kopfbeweglichkeit und Kopfgelenksdysfunktionen können ebenfalls auftreten. Dieses Erscheinungsbild setzt sich oftmals in anderen Bereichen fort. Einige Kinder zeigen als Folge der neuromotorischen Aufrichtungsdefizite eine undeutliche Aussprache, Zungenfehlstellungen und einen fehlenden Mundschluss. Für die schulische Entwicklung besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen neuromotorischem Aufrichtungsdefizit und unreifen Augenbewegungen. Diese Kinder besitzen oftmals einen guten „Visus“, d.h. der Augenarzt sieht keine Beeinträchtigung, dennoch besteht ein Reifungsdefizit bei der Steuerung der Augen und in Folge dessen kann es zu Irritationen bei der Verarbeitung von Sehinhalten kommen. Unter Aufwendung höchster Konzentration versuchen die betroffenen Kinder diese dann zu überwinden, was durchaus über kurze Zeit gelingt, aber diese höhere Konzentrationsleistung kann oftmals nicht beibehalten werden. Infolgedessen ist das Lesenlernen / Lesen erschwert.
Das Abspeichern bzw. Reproduzieren von geometrischen Formen, aber auch der Buchstaben kann betroffen sein. So zeigen die Kinder oft Verdrehungen („spiegeln), ein /b/ wird zu /d/ usw.. Die Stifthaltung kann ebenfalls in ihrer Entwicklung so verzögert sein, dass die körperlichen Voraussetzungen um einen Stift adäquat zu führen nicht erfüllt sind. Ein sauberes Reproduzieren von Schriftzeichen kann so nicht gelingen. Ein Lernkreislauf der Misserfolge kommt in Gang. Infolgedessen kann es dazukommen, dass die Kinder die Schuld bei sich suchen, sich minderwertig fühlen und die eigenen Bemühungen einstellen, um sich der Frustration zu entziehen.

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